Schimpach wird sich fast verdoppeln

Luxemburger Wort 25. März 2024

LUXEMBURG / NADINE SCHARTZ

In den Osterferien werden die ersten Bewohner in die ehemalige Feuerwehrschule in Schimpach in der Gemeinde Wintger einziehen. Zuvor hatten die Einwohner der Gemeinde am Samstag bereits die Gelegenheit, sich über ihre neuen Nachbarn zu informieren, und sich ein Bild von Inneren des historischen Schlosses zu machen. Die Tatsache, dass sich der 60-Einwohner-Ort mit einem möglichen Zuwachs von 58 Personen in Zukunft verdoppeln könnte, zog denn auch viele Bürger zu früher Stunde zur Informationsversammlung an.

Bis 9 Uhr füllte sich der Gemeinschaftssaal im Schloss denn auch immer mehr, es wurde untereinander getuschelt, die Meinungen ausgetauscht und mit Spannung auf die Ansprachen der Redner gewartet. Familienminister Max Hahn (DP) ging schließlich auf die Details ein: So werden in dem Gebäude hauptsächlich Familien mit Kindern untergebracht.

Obwohl 58 Betten zur Verfügung stehen, bedeutet dies nicht, dass diese alle belegt werden. So kann es vorkommen, dass etwa in einem Familienzimmer ein Bett leer bleibt. In solchen Fällen würden keine fremden Personen dort untergebracht, nur um das Bett auch noch zu belegen, so Max Hahn.

Zugleich betonte er, dass Luxemburg mit 8.000 verfügbaren Plätzen am Limit der Kapazitäten angekommen sei. Im Vergleich: In ganz Belgien stehen insgesamt nur 36.000 Plätze zur Verfügung. Gerade deshalb sei es wichtig, vermehrt auf die Qualität statt auf die Quantität zu setzen. Im Klartext: Der Familienminister bevorzugt kleinere Wohnstrukturen als die großen Einrichtungen mit hunderten Menschen.

Die neuen Einwohner akzeptieren und unterstützen

Aber: Was auf den ersten Blick mit maximal 58 Betten klein erscheint, ist für einen kleinen Ort wie Schimpach doch eine große Sache. Deshalb lautete der Aufruf von Max Hahn an die Bevölkerung auch, diese Menschen nicht nur zu akzeptieren, sondern sie auch zu unterstützen.

„Es ist wichtig, dass sie nicht nur hier leben, sondern ein Teil von Schimpach, der Gemeinde und der Region werden“, so der Minister. In diesem Sinne werde auch ein öffentlicher Spielplatz neben dem Schloss geschaffen, in dem alle Einwohner sich kennenlernen und austauschen könnten.

„Die Präsenz dieser Personen wird mehr eine Bereicherung als eine Belastung werden“, unterstrich auch Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs. Während das Office national de l‘accueil (ONA) sich nämlich um die Aufnahme und Betreuung der Asylsuchenden kümmert, übernimmt die Caritas deren soziale Begleitung. Marie-Josée Jacobs wies die Bürger darauf hin, dass die Präsenz der künftigen Schlossbewohner ein Mehrwert für das Dorf sein kann.

Etwas kritischer sah unterdessen eine Einwohnerin und direkte Nachbarin die Ankunft der Asylbewerber. „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber man macht sich halt Gedanken“, erklärte sie vorab, bevor sie einen ganzen Fragenkatalog an Minister Max Hahn sowie die Verantwortlichen von ONA und Caritas richtete.

Darunter stach insbesondere die Sicherheitsfrage hervor – die in der Folge noch von weiteren Anwesenden geäußert wurde. Angst und starke Bedenken hatte etwa eine Dame: „Wir haben in Wiltz neben einer Auffangstruktur gelebt und wurden während Jahren terrorisiert. Das möchten wir nicht mehr erleben“, so ihre klaren Worte.

Ein anderer Mann nannte Diebstähle im Laden seiner Ehefrau in Limpertsberg, der sich in direkter Nähe zum Foyer Don Bosco befand, als Grund für seine Sicherheitsbedenken. Auch von Angst vor Schlägereien war die Rede.

Keine Sandsäcke, sondern Menschen

Für die Verantwortlichen stellt sich diese Frage jedoch nicht: Denn vor Ort soll Tag und Nacht geschultes Sicherheitspersonal, wie dies in allen Strukturen der Fall ist, eingesetzt sein. Zudem wird regelmäßig Personal des ONA und der Caritas präsent sein. „Wenn es ein Problem oder Fragen gibt, stehen wir als Ansprechpartner immer zur Verfügung“, unterstrich diesbezüglich auch der Caritas-Generaldirektor Marc Crochet.

Ein Raunen ging hingegen durch die Reihen, als nach der Nationalität der Personen gefragt und eine Auswahl besonders krimineller Nationen hervorgehoben wurde. Insbesondere die Aussage einer Dame sorgte bei zahlreichen Anwesenden für Kopfschütteln: „Jugoslawen sind nett, aber Serben sind alle Mafiosi.“

Auf diese Aussage und die Forderung nach einem schriftlichen Dokument, auf dem festgehalten wird, dass explizit Familien mit Kindern und keine sogenannten „Dubliner“ nach Schimpach kommen sollten, fand Max Hahn deutliche Worte: „Wir sprechen hier nicht von Sandsäcken, sondern von Menschen!“

Auch Marc Crochet unterstrich, dass „es überall, wo sich Menschen aufhalten, zu Streit kommen kann.“ Dennoch sollte jeder versuchen, diese Menschen kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen und sie als Teil der Gemeinschaft akzeptieren.