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Aufnahmepolitik: Druck im Kessel

| 26.02.2026  WOXX

Die Opposition wird zunehmend lauter, NGOs und Flüchtlinge kritisieren in mehreren Briefen erneut: Die Zustände in einigen ONA-Strukturen sind unzumutbar. Trotzdem hält die Regierung an ihrer prekären Aufnahmepolitik fest.

„Hinter dieser Mauer leben Kinder, Familien, Menschen“, erinnerten die grünen Abgeordneten Djuna Bernard und Meris Sehovic am Montag vor der Struktur „Tony Rollman“ auf Kirchberg. Die Kritik zu den Lebensumständen in einigen ONA-Strukturen wird immer lauter. (Foto: María Elorza Saralegui/woxx)

Am Montagmorgen stand in drei Unterkünften des Office national de l’accueil (ONA) Besuch an: Abgeordnete aus dem zuständigen parlamentarischen Ausschuss bekamen auf ihr Drängen hin einen Einblick in Strukturen in Mersch, Zolwer und Käerjeng – wobei letztere vom Familienministerium ausgesucht wurde, weshalb die Wahl wenig überraschend auf einen Modulbau fiel. Mit Platz für je rund 30 Personen gelten diese Unterkünfte als Musterbeispiel, ganz im Gegensatz zu den zwei anderen Einrichtungen.

Die Lebensumstände dort gelten als die schlimmsten landesweit, wie die woxx bereits im Mai vergangenen Jahres berichtete: kaputte Toiletten, schmutzige Duschen, Riegel, die nicht anständig schließen, Räume ohne Fenster, wenig bis keine Privatsphäre, fehlende Sicherheit … (woxx 1839, „La vie dans les hébergements“). Acht Strukturen identifizierte der Lëtzebuerger Flüchtlingsrot, die die Asylagentur-Normen der EU verletzten. Seitdem hat sich trotz wiederholter Kritik nicht viel verändert: Von der woxx konfrontiert, antwortete das Ministerium bereits damals, die Strukturen befänden sich innerhalb des rechtlichen Rahmens. Kontrollen würden jedoch nur vom ONA oder den als Dienstleistern angesehenen NGOs, die sich um die alltägliche Leitung in einigen Strukturen kümmern, durchgeführt (woxx 1849, „Les normes sont respectées“).

„Anlässlich Ihres offiziellen Besuchs wurde eine beschleunigte Reinigungs- und Reorganisationsaktion durchgeführt“, erklärten nun diesen Montag Dutzende von Bewohner*innen der Struktur in Mersch in einem Brief an die Abgeordneten, der der woxx vorliegt: „Diese Inszenierung spiegelt nicht unsere tägliche Realität wider.“ Viel mehr sollten die Abgeordneten auch nicht zu sehen bekommen: Man sei „geradezu durch die Struktur hindurchgejagt“ worden, bedauerte die grüne Abgeordnete Djuna Bernard nach dem parlamentarischen Besuch gegenüber der woxx. Auch die Flüchtlinge in der Struktur in Zolwer leiden unter den schlimmen Zuständen. 29 Frauen, die in einem einzigen Raum leben, appellieren in einem Brief an die Politik: Die Situation „führt zu ständigem Stress, Anspannung, starker psychischer Erschöpfung und einem Gefühl der Demütigung, das sich nur schwer in Worte fassen lässt“.

Die heilige kommunale Unabhängigkeit bleibt intakt, der Hauptfaktor Wohnungskrise nach wie vor ausgeklammert. So steigt der Druck.

Die Regierung aber hinkt nicht nur hinterher, sondern setzt auch eigene Versprechen des Koalitionsvertrags nicht um. Demzufolge sollten Asylbewerber*innen auf eine Arbeitsgenehmigung statt der jetzigen sechs Monaten nur vier warten müssen. Jede Gemeinde sollte auch solidarisch mit anpacken, sodass Geflüchtete „gleichmäßig über das ganze Land verteilt“ würden. Auf erstere Maßnahme warten Betroffene bisher vergeblich und Familienminister Max Hahn (DP) hat sich bereits mehrfach ohne nähere Erläuterungen gegen eine obligatorische Quotenverteilung ausgesprochen. Die heilige kommunale Unabhängigkeit bleibt intakt, der Hauptfaktor Wohnungskrise nach wie vor ausgeklammert (woxx 1823, „Mangelnde Voraussicht“).

So steigt der Druck. Die Opposition wird zunehmend lauter. Sowohl déi gréng als auch die LSAP wiesen diesen Monat auf jeweiligen Pressekonferenzen auf die unwürdige Aufnahmepolitik hin. Unter anderem fordern sie, wie auch schon der Flüchtlingsrat, die Einführung einer unabhängigen Prüfinstanz. Gegenüber den Abgeordneten kündigte Hahn zwar die Eröffnung einer „neuen größeren Struktur“ an, wie Bernard auf Nachfrage der woxx sagte. Wann diese kommen soll, sei jedoch noch unklar. Es ist zu hoffen, dass die Regierung auf die Kritiken eingeht und die neue Unterkunft keine weitere in Eile umgesetzte Schandstruktur wird. Ansonsten drohen die Gefühle von „Ungerechtigkeit, die Ausgrenzung und das psychische Leiden“ – wie es die Flüchtlinge der Merscher ONA-Struktur in Worte fassen – zu sozialen Spannungen zu führen und überzuschwappen. Für eine erfolgreiche und nachhaltige Aufnahmepolitik bräuchte es endlich ein Umdenken, das auf Basis des aktuellen politischen Willens jedoch kaum stattfinden wird. Es müssten wohl nicht nur einige Gemeinden zu ihrer sozialen Verantwortung „fräiwëlleg gezwongen“ werden.

Visite de députés – et du Ministre- de 3 foyers pour réfugiés

Le lundi 23 février la Commission de la Famille de la Chambre des Députés – avec le Ministre de la Famille – ont visité 3 structures d’hébergement: Mersch, Kärjeng et Zolver

D’abord la parole aux résidents de Mersch et de Zolver

La presse

Luxemburger Wort 23. Februar 2026

Kritik an Flüchtlingsunterkünften: „Ein Luxemburg, auf das ich nicht stolz bin“

Am Montag machten sich Abgeordnete ihr eigenes Bild von drei Flüchtlingsstrukturen, nachdem diese aufgrund „desaströser“ Zustände mehrmals kritisiert worden waren
Abgeordnete der Familienkommission wollten sich am Montag ihr eigenes Bild von drei Flüchtlingsstrukturen im Land machen. 

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Flüchtlingsstrukturen in Luxemburg: Zwischen Abwiegeln und Entsetzen

Mangelnde Hygiene, schlechte Behandlung, räumliche Enge und eine Ghettoisierung der Betroffenen – die Kritik an den Missständen in den Flüchtlingsstrukturen hat nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Das für die Unterbringung der Asylbewerber zuständige „Office national de l’accueil“ (ONA) und der verantwortliche Familienminister Max Hahn geraten zunehmend unter Druck

Stefan Kunzman, Grace Freidriech, tageblatt 26. Februar 2026

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«Des conditions qui me choquent»

De notre journaliste David Marques, Le Quotidien 24 février 2026
Une délégation de députés a visité hier trois foyers pour réfugiés. Déi Gréng, notamment, fustigent des conditions de vie indignes. Un mécanisme obligatoire de répartition par commune est réclamé.
Le rendez-vous est fixé devant la structure de primo-accueil composée de chapiteaux au Kirchberg, non loin de la Coque et des institutions européennes. Déi Gréng ont choisi ce lieu symbolisant, selon eux, l’état d’urgence qui caractérise l’accueil des migrants. « Il existe des structures qui ne sont pas dignes d’un pays riche comme le Luxembourg », constate amèrement Djuna Bernard. « Ce que nous critiquons surtout est qu’il n’a pas été possible de sortir de la situation d’urgence. Nous devons trouver des solutions, établir un plan pour un meilleur accueil et une meilleure intégration », développe la députée.

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Schlecht Zoustänn a Flüchtlingsstrukturen?

« Wann d’Deputéiert méi dacks kéimen, géing méi gebotzt ginn »

Michèle Sinner  RTL
Déi zoustänneg Chamberkommissioun war e Méindeg de Moie mam Familljeminister Max Hahn op Visitt a verschiddenen Flüchtlingsstrukturen.

E Gebai vun der ONA zu Zolwer.

E Gebai vun der ONA zu Zolwer.
© RTL-Archiv

D’Politiker waren do, fir sech d’Konditiounen unzekucken, an deenen d’Demandeurs fir international Protektioun liewen. D’Deputéiert waren zu Miersch, zu Käerjeng an zu Zolwer. D’Bewunner vun de Strukture bekloen an oppene Bréiwer, datt d’Liewenskonditioune ganz schlecht sinn: Infrastruktur, déi knaschteg an erofkomm ass. Ze wéineg Iessen, an dat vu schlechter Qualitéit.

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Deputéiert sinn erféiert iwwer Zoustänn a verschiddene Flüchtlingsstrukturen

ONA-Strukturen
|100,7

A Saache Flüchtlingsstrukturen hei am Land missten d’Gemengen ee méi groussen Effort maachen. Dat war de Constat vun den Deputéierten vun der Chamber-Familjekommissioun, déi d’Méiglechkeet haten, bei enger Visitt vun den ONA-Strukturen zu Miersch, zu Käerjeng an zu Zolwer dobäi ze sinn.

Wärend d’ONA-Struktur zu Käerjeng ee “Vorzeige-Beispiel” gewiescht wier, eng relativ nei, dezentral a kleng Struktur mat adäquater Ausstattung, wier een zu Miersch an zu Zolwer reegelrecht erféiert.
« En imporviséierte Prisong »

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Poor conditions at refugee facilities

‘If MPs visited more often perhaps there would be more cleaning’
Michèle Sinner
adapted for RTL Today
Members of the relevant Chamber committee, accompanied by Family Affairs, Solidarity, Living Together and Reception of Refugees Minister Max Hahn, visited several refugee facilities on Monday morning.

The delegation travelled to Mersch, Käerjeng and Soleuvre to inspect the living conditions of applicants for international protection. In recent open letters, residents have complained of very poor conditions, describing infrastructure as filthy and dilapidated, and criticising both the quantity and quality of food provided.

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Ghetto statt Integration

Zustände in Flüchtlingsunterkünften in Luxemburg sind nicht besser geworden

Stefan Kunzmann    tageblatt 6. Februar 2026

In mancherlei Hinsicht hat sich die Wohnungssituation der Geflüchteten in Luxemburg zugespitzt. Selbst wenn sie einen internationalen Schutz erhalten haben, bleiben sie mit vielen Problemen konfrontiert. Das zuständige Familienministerium und die ihm unterstellte Behörde ONA sind überfordert, während Flüchtlingshilfsorganisationen ihr Bestmögliches unternehmen.

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